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26.10.2023

Ski Alpin

Ein Ausflug zum APC ins Pongau

von Andreas Bayerl

Die Skiabteilung des TSVV deckt sich mit Profi-Material ein

Ich: „Riechst Du es? Riechst Du es auch?“ 

Der Rennsportkollege: „Was meinst Du, das Lösungsmittel?“

„Nein, natürlich nicht!“

„Ist es vielleicht das PFOS-freie Rennsportwachs?“

„Himmel nochmal, Du brauchst echt einen neuen Mentaltrainer! Erfolg Junge, ich rieche Erfolg!“

Wir sind im Pongau, Salzburger Land, in einer der modernsten Skifabriken Europas. Draußen scheint die Herbstsonne, und in München geht heute das Oktoberfest zu Ende. Manche bedauern das Ende der 5. Jahreszeit – doch für uns bedeutet das: Die Skisaison hat begonnen!

Und die startet mit einem besonderen Highlight, unserem Besuch im Atomic Pro Center. Dort haben wir Gelegenheit selbst zu erleben, wie Ski für den internationalen Rennsport geboren werden. Ich hatte ja immer gedacht, dass sowas quasi am Fließband vollautomatisch geschieht. Und ja, einige Schritte passieren schon mit großen automatischen Maschinen, die präzise Werkstück nach Werkstück bearbeiten. Surreal – der Arm nähert sich mit seinen drei Gelenken fast lautlautlos dem Holzrohling – um im nächsten Moment mit brachialem Getöse sein fräsendes Werk zu tun. 

Moment mal, falscher Film? Seit Luis Trenker fährt doch keiner mehr Ski aus Holz?! In der Sache richtig, dennoch aber falsch – im Kern der besten Ski befindet sich nach wie vor ein sauber ausgewähltes Stück Holz, präzise abgestimmt auf den jeweiligen Typ Ski.

Kurz danach liegt der Holzkern schon auf dem Tisch von Miguel – der aus mehr als 30 Einzelteilen und Schichten einen Rennski daraus zusammensetzt, um dann mit 5 Tonnen Druck über 15 Minuten lang etwas zu pressen, was das erste Mal ein wenig wie ein Ski aussieht. Wie man denn sicherstellt, dass am Ende auch alle Teile in der richtigen Reihenfolge drinnen sind? Diese und auch viele andere Fragen beantwortetet uns Hubert, der Chef vom APC in den folgenden 90 Minuten. Leider nur, wenn wir versprechen nichts darüber hier zu schreiben. Ehrenwort natürlich! Schade nur um die Anekdoten zu Marcel Hirscher und anderen Skistars, von denen wir so gern geschrieben hätten…

Direkt danach durften wir in die heiligen Hallen des APC, dort, wo normalerweise nur FIS-Athleten individuell ausgestattet werden. Die aus dem Fernsehen. Und heute – große Ausnahme – die vom TSV Vaterstetten.

Das Team des TSVV nach der Werksbesichtigung

Vorbei geht’s zunächst an einem knappen Dutzend Fahrzeugen, an denen jeweils der Name eines Top-Athleten und direkt darunter der Name seines persönlichen Servicemanns steht. Im nächsten Moment stehen just diese Servicemänner vor uns. Unsere Athleten dürfen in roten Sportsesseln Platz nehmen. Gefühlt haben gerade eben noch Shiffrin und Kilde hier ihre Schuhe individuell anpassen lassen – und jetzt…

Unser Servicemann heißt Sepp. Im ersten Moment ist eigentlich alles so, wie man es kennt: Größe wählen, Fußform bestimmen, Anforderungen besprechen. Was fahre ich, welche Ski habe ich, wie stehe ich bei Rennen mit meinen Peers - schon ziemlich genau will es Sepp wissen. Nun hält er einen roten, glänzenden Schuh in der Hand. Weil ich für mein Alter schon ein sehr guter Skifahrer bin (klar, ich fahr‘ ja auch für den TSVV!), aber noch nicht so viel wiege, war die Wahl wohl nicht ganz leicht. Der Innenschuh wird gebacken, die Schale neu geformt. Nicht mal eine Gummisohle hat der Schuh – das muss wohl bei Rennskischuhen so sein. Ich darf damit nicht mal über den Parkplatz gehen. Und schnüren muss man den Innenschuh auch, heißt jedes Mal vor dem Anziehen rausnehmen! Diese Top-Athleten scheinen sehr viel Zeit zu haben. 

Nur noch ein Schritt sagt Sepp, und entschwindet mit meinem brandneuen, makellosen Paar Skischuhen in die Werkstatt. Der Klang ist infernal, als seine Flex in meine Schuhschale eindringt. Habe ich irgend etwas Falsches gesagt, oder ist der jetzt vollkommen durchgedreht? Der schneidet doch glatt einen Teil von dem tollen neuen Schuh weg! Wobei, nach dem erneuten Anprobieren ist das schon angenehm, wie ich jetzt den Druck nach vorn besser in den Schuh bekomme. Ok, vielleicht muss ich doch noch was zu meinem Equipment lernen…

Bei den Skiern läuft es hingegen fast schon unspektakulär. Einen ambitionierten GS brauche ich noch – attestiert Sepp nach einem routinierten Blick über meine Equipment-Liste, die ich mitgebracht habe. Er verschwindet ins Lager - 50 verschiedene Modelle allein der Alpin-Ski sind dort vorrätig. „REDSTER G9 FIS J-RP in 145 sollte genau Dein Ski sein. Soll ich Dir da eine ICON-10 draufmachen?“ Sepp deutet mein breites Grinsen richtig. 

Derweil kümmert sich seine Kollegin um meine restlichen Wünsche – ein Rückenprotektor, FIS-konformer Skihelm mit Chin Guard, Skibrille und diverses anderes knallrotes Equipment wechselt den Besitzer. Nur den Rucksack kriege ich nicht, der ist aber auch so groß, da würde ich meine Eltern zusammen reinbekommen – wenn Papa nur nicht so schwer wäre…

Einige Stunden nach unserer Ankunft geht es wieder nach Hause. Zeit wird’s, dass auch auf den Gletschern die Bedingungen für unsere Top-Leistungen herrschen.

Eingang zum Atomic-Werk